A CAPPELLA: "Bauchklang" feierten im Posthof Klänge für Bauch & Hirn

Die Beats wummern dir entgegen, dass es dich drei Meter zurückweht.
Vorne, auf der Bühne, bringen sechs junge Männer eine ganze Halle
schier zum Kochen. Ein wilder Mix aus Drum 'n' Bass, Ragga und
Techno, der zugleich saugeil und höchst melodiös rüberkommt.

Wie? Was war das, das uns am Freitag im zum Bersten gefüllten
großen Saal des Linzer Posthofs mit vor Staunen geöffneten Mäulern
zurückließ? Irgendwelche toughen Burschis aus der Popmusik-
Welthauptstadt New York? Weit gefehlt. Es handelt sich um
"Bauchklang" aus dem nicht ganz so coolen St. Pölten. Eine Combo
mit zum Teil wechselnder Besetzung, die durch ihren - lange Zeit auch nicht
als sehr cool geltenden - A-cappella-Gesang wahre Wunder vollbringt.
Die alleine mit den Mitteln der menschlichen Stimme inklusive
elektonischer Bearbeitung so noch kaum Gehörtes auf die Bühne
zaubert.

"Bauchklang" haben trotz rasanten Aufstiegs nicht den Boden unter den
Füßen verloren. Sie wissen offensichtlich ein Publikum zu schätzen, das
nicht nur zahlreich erscheint und Party feiert, sondern auch den Nuancen
lauscht, den raffinierten Spielereien. Frontmann - sofern diese
Bezeichnung bei einem Kollektiv überhaupt Sinn macht - Andreas
Fränzl also schien manchmal richtiggehend erstaunt über die prächtige
Stimmung im Saal. In den oberen Reihen übrigens älteres Publikum
sitzend (Mamis und Papis?), das sich am Ende mit Standing Ovations
bedankte.

Ein Danke an dieser Stelle an den Radiosender FM4, der eine Lücke
zu schließen versucht, die Ö3 hinterlassen hat. Verhilft Letzterer
bestenfalls heimischem Hüttenzauber-Schrott zu größerer Popularität,
hat FM4 in der Vergangenheit innovative Austro-Acts wie "Bauchklang"
hervorgezaubert, die uns bislang durch sträflichste Ignoranz vorenthalten
wurden.

( von Christian Pichler )
OÖN vom 21.01.02 © 2002 Medienhaus Wimmer